Mittwoch, 20. September 2017

Barry Seal: Müssen Spielfilm & Satire heute leisten, was Nachrichten & Magazine nicht mehr dürfen?


„American Made“ ist der Original-Titel. In Deutschland heißt der Film Barry Seal: Only in America“. Erstaunlich wie heute übersetzt wird. Aber darum geht es nicht. Der aktuelle Film mit Tom Cruise kommt anfangs unterhaltsam flockig daher. Doch Barry Seal, den Piloten, der von der CIA angeworben wird, hat es tatsächlich gegeben. Seal machte für die CIA Luftaufklärung, versorgte die Contra-Rebellen in Nicaragua, die man auch als Terroristen sehen kann, mit Waffen. Und er transportierte Kokain, und zwar gleich tonnenweise, in die USA. Der Straßenverkaufswert der vom echten Barry Seal importierten Drogen wird auf drei bis fünf Milliarden US-Dollar geschätzt.

All das geschah unter den Fittichen des US-Auslandsgeheimdienstes CIA. Denn die Profite aus den Drogengeschäften finanzierten den Terrorkrieg gegen die Sandinisten. Ronald Reagan rief den „War on Drugs“ aus. Das machte Eindruck und bewahrte die Drogenpreise, trotz des von der CIA erzeugten Überangebots, vor dem Sturz ins Bodenlose. Mit von der Partie war sein Vizepräsident und Ex-CIA-Chef George Herbert Walker Bush. Der Watschenmann, der schließlich den Kopf hinhielt und verurteilt wurde, war ein Mann der 2. Reihe: Oliver North.


Senatsanhörungen und investigative Journalisten wie Robert Parry und Gary Webb (der sich mit zwei(!) Kopfschüssen selbst tötete) brachten die ungeheuerlichen Verschwörungen gegen Senat und Repräsentantenhaus, gegen die sozial entrechteten Bewohner der Slums und gegen die eigenen Sicherheitskräfte zumindest teilweise ans Licht. Regisseur Doug Liman und sein Cutter schneiden im letzten Drittel des Films einige Dokumentaraufnahmen unter anderem von Reagan und seiner Frau hinein. Diese Ausschnitte sind leider nicht im Trailer, ich habe Vergleichbares auf YouTube gefunden:


Hier sehen wir, wie Miss Nancy Reagan - ganz Mutter der Nation - treuselig-bigott in die Kamera glotzt. Die Jugendlichen sollen Nein zu Drogen sagen, die ihr Mann ins Land lässt. Die Iran-Contra-Affäre ist mittlerweile Geschichte. Doch American Made legt immer noch den Zynismus und die Menschenverachtung der Beteiligten sowie ein wenig die Strukturen dahinter offen. Eine lesenswerte Kurz-Zusammenfassung der Hintergründe gibt es von Mathias Bröckers. Hier taucht übrigens außer Ronald Reagan und George Bush noch ein weiterer US-Präsident auf: Bill Clinton.

Wieso werden solche Skandale nicht häufiger thematisiert? Wieso findet kritische Berichterstattung in Deutschland nur noch zu später Stunde, auf den hinteren Seiten oder im Internet statt? Obwohl ARD und ZDF Milliarden zwangs-kassieren?


Warum dürfen nur noch Unterhaltung, Satire, Kabarett und manchmal das Theater Heißes anpacken? Der Ausschnitt oben aus der Anstalt (ZDF) gibt einen Hinweis: Etliche unserer „Alpha-Journalisten“ sind eigentlich gar keine. Was sie leisten, ist keine unabhängige Arbeit. Es ist PR-Arbeit, z. B. für neokoloniale Kriege in Afghanistan, Syrien und Afrika, die große Teile der Bevölkerung nicht wollen. Propaganda für eine nicht regulierte Globalisierung, die die Armen und den Mittelstand aller Kontinente gegeneinander ausspielt. Journalisten, an deren Händen Blut klebt. Erpressbar und verloren in von Multis, Lobbyisten und fremden Geheimdiensten gesponnenen Netzwerken. Sie können uns nur leidtun. Abschalten ist die einzige Lösung.

Montag, 4. September 2017

"Das Auge isst mit": Filmreihe im Japanischen Kulturinstitut Köln vom 11.09. bis 30.10.17


Köln hat es gut. Denn es hat eines von nur drei Japanischen Kulturinstituten in Europa. Die anderen beiden befinden sich in Paris und Rom. Regelmäßig gibt es in dem schön und zugleich verkehrsgünstig gelegenen Gebäude am Aachener Weiher Filmreihen und immer wieder hochklassige Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen sowie Informations- und Diskussionsabende. Natürlich sind auch Japanisch-Sprachkurse im Angebot.

Nahezu sämtliche Kulturveranstaltungen sind kostenlos. Man kann es sich also im großen, einladenden Veranstaltungssaal bequem machen und einfach lauschen, sehen und genießen. Zwei absolute Highlights, die ich dieses Jahr erleben durfte, waren die Auftritte der Trommelgruppe Masa-Daiko (unter der Leitung von Masakazu Nishimine) und das Gastspiel des Duos Oyama x Nitta gemeinsam mit der Flötistin Yoshimi Tsujimoto (Musik für die japanische Langhalslaute Tsugaru-Shamisen & für die Bambusflöte Shakuhachi). Beinah wäre ich nicht hingegangen. Gut, dass ich es mir anders überlegt habe: Die beiden Musiker interpretieren die seit dem 16. Jahrhundert in Japan gespielte Langhalslaute nämlich auf revolutionäre, schmissig-mitreissende Weise.

Oyama x Nitta waren anfangs in traditionelle japanische Gewänder gekleidet. Nach der Pause erschienen sie im dunklen Anzug wie coole Jazzer. Als die beiden dann noch ihre eigene Version von "Viva Colonia" performten, waren die manchmal ein wenig selbst verliebten Kölner natürlich hin und weg.

 

Bevor ich weiter von Konzerten schwärme, zurück zum eigentlichen Thema des Posts: Ab 11. September bis zum 30. Oktober 2017 präsentiert das Japanische Kulturinstitut seine Filmreihe Das Auge isst mit. Diesmal kreist also alles um Nahrungsmittel und ums  Kochen und Essen. Zu erleben sind neue Spiel- und Dokumentarfilme, die zwischen 2007 und 2016 entstanden. Die Filme werden im japanischen Original mit englischen oder deutschen Untertiteln gezeigt.

Der Eintritt ist wieder frei. Infos zur Filmreihe, den einzelnen Filmen & den Terminen

Zur Homepage des Japanischen Kulturinstituts Köln

Donnerstag, 31. August 2017

Endlich wird der Bundestags-Wahlkampf spannend: Der Werbespot der PARTEI ist da!


Hier ist er: der Spot der Satire-PARTEI.


Zitate daraus: „Im Parteirausch [...] Alles ist in die Partei [...] die Frau wird Frau und frei.“

Jetzt wird es also doch noch einmal spannend. Hat die CDU verfrüht gehandelt, als sie ihre Plakate bereits abhängte, weil „die Wahl ohnehin entschieden“ sei? Wie der Postillon berichtete.

Der Wahlkampfspot der Partei ist natürlich eine Hommage an die legendäre, anarchisch-surreale Afri-Cola Kampagne des Werbedesigners & Künstlers Charles Wilp. Ja, so was gab es, Menschen, die Werber & Künstler waren, und Werbung, die (zumindest fast) Kunst gleichkam. Der Brause-Slogan damals in den 60ern lautete: „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola – Alles ist in Afri-Cola …“

Hier einer der grandiosen Werbespots von Charles Wilp, die damals im Kino und im Fernsehen liefen:


Der Kommentar von Susisaftig unter diesem YouTube-Video: „Menschen, die bewusst ihre Zeit genießen - bei vollem Verstand. Das ist so krank, dass es - künstlerisch gesehen - richtig gut ist.

Ja, das waren noch Zeiten! Zeiten, in denen sich CDU und SPD noch nicht zum Verwechseln ähnelten.

Auch Meedia schreibt übrigens über den neuen TV-Spot der PARTEI.


Bannerfoto: unsplash.com


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Diese Fotoseite kann ich wirklich empfehlen: Auch der Fliegende Fisch für meinen Internetauftritt stammt von unsplash.com.

Der Name des Fotografen: John Cobb.

Freitag, 3. März 2017

Gewusst? Grey Global, JWT, Ogilvy & Mather, Scholz and Friends + Young & Rubicam + viele mehr sind eins

... Zumindest haben alle diese bedeutenden Werbeagenturen, die mit x-Büros weltweit agieren, einen Besitzer. Und der heißt WPP, die weltweit größte Werbeholding. Ich bin vor ein paar Jahren über den Wikipedia-Eintrag darauf gestoßen. Zwei fast genauso mächtige Konkurrenten sind übrigens Omnicom und Publicis.

Hat der Kunde bzw. Auftraggeber da wirklich eine echte Wahl?

Dienstag, 7. Februar 2017

Geniale & anregende Cartoon- & Illustrations-Suchmaschine des New Yorker

Eine äußerst amüsante Recherche-Möglichkeit: Der Verlag des berühmten US-amerikanischen Magazins The New Yorker bietet alle hier je veröffentlichten Illustrationen auch online an. Sowohl für private wie auch für professionelle Zwecke (Lizensierung). Natürlich ist das bloße Recherchieren und Anschauen völlig umsonst.

Einfach auf der Seite www.cartoonbank.com in die Suchmaske einen englischen Begriff wie z. B. "shark", "politics" oder "advertising" eingeben und sich an den Resultaten erfreuen. 

Perfekt auch für kreative Gedanken-Anstöße. Viel Vergnügen!

Donnerstag, 26. Januar 2017

Rückschritt statt Fortschritt? TV-Spot von Jacobs Krönung wirft die Frage auf: Werden Werbung & Gesellschaft immer spießiger und uniformer?


Der Fernseh-Spot für Jacobs Kaffee stammt ca. aus dem Jahr 2008. Großmutter und Enkelin unterhalten sich, natürlich bei zwei Tässchen Krönung. Die Enkelin schwärmt von einem Konzert, bei dem sie im Matsch tanzte und sich so die Klamotten ruinierte. Die Oma: "Ich war auch einmal auf einem Rockkonzert. 67 Hendrix. Getanzt haben wir auch im Matsch. Aber meine Klamotten waren nicht hinüber. - Wir hatten keine an!"


eingebettetes YouTube-Video - 31 Sekunden

Ich ziehe den Hut vor den Kreativen. Fast schon philosophisch. - Wohin steuern wir mit unseren allgegenwärtigen Smartphones? Werden wir täglich ein wenig unfreier? Verbeugen wir uns vor Moralvorstellungen, die irgendwo in den Kassenhäuschen von Facebook, Apple und in Hollywood kreiert werden?

Freitag, 28. Oktober 2016

Empfehlung: Äußerst günstig & umfassend online recherchieren über die E-Services der Stadtbibliotheken


Müssen Sie öfters beruflich oder privat recherchieren? Und sind Sie Mitglied Ihrer Stadtbibliothek? - Nein? Dann sollten Sie überlegen, ob Sie es nicht schnell werden und Geld & Zeit sparen.

Als Werbetexter und Autor muss ich regelmäßig recherchieren. Natürlich gibt es kostenlose Online-Möglichkeiten. Oft sind diese exzellent und mehr als ausreichend. Doch manchmal ist es sinnvoll, sich über zusätzliche Quellen abzusichern oder einfach einen weiteren Blickwinkel kennenzulernen.

Zumindest die Stadtbibliothek Köln hat die Online-Recherche kürzlich noch weiter ausgebaut. Mitglieder können sich schnell und unkompliziert von überall her einloggen.

Dann stehen als Nachschlagewerke zur Verfügung: die Encylopedia Britannica, Kindlers Literatur Lexikon, das Munzinger Archiv mit teils sehr umfangreichen Biografien zu Politikern, Künstlern, Wissenschaftlern, Schauspielern und Sportlern, der Brockhaus (der mit der wirklich grandiosen Encylopedia Britannica nicht annähernd mithalten kann), die Zeitschrift Filmdienst und die Munzinger Länderinformationen.

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Das ist nicht alles: Über die Themenrecherche "LexisNexis" können Sie 300 deutsche Zeitungen & Zeitschriften sowie 36.000(!) internationale Presse- & Wirtschaftsquellen, teils über etliche Jahre zurück, vollständig durchsuchen. Über "PressReader" warten außerdem 5000 Zeitungen & Zeitschriften aus 100 Staaten im Original-Layout auf Abruf.

Dazu kommen noch Statistiken und Sprachkurse. Und eine E-Ausleihe mit z. B. Handelsblatt, FAZ, ZEIT, GEO, Merian, Chip, Test, Finanztest, Kölner Stadt-Anzeiger & vielen, vielen weiteren Medien.

Über das umfassende Online-Recherche-Angebot speziell der Stadtbibliothek Köln erfahren Sie hier mehr.

Schauen Sie am besten gleich nach, was Ihre Stadtbibliothek Ihnen bieten kann. Gerade für Freiberufler und kleinere und mittlere Unternehmen sicher eine großartige, günstige und unkomplizierte Art an wertvolle, zitierfähige Informationen zu kommen.

Bild: eigene Collage aus 2 Fotos von unsplash.com: Bücherwand von Eugenio Mazzone; Smartphone von Shadman Shakib